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Dem Präsidenten den Frieden erklären!
Zum Besuch von US-Präsident George Bush in Stralsund am 14. Juli 2006. Offener Brief an Bundeskanzlerin Merkel.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
Sie heißen Präsident Bush vor Beginn des St Petersburger G8-Gipfels in
Stralsund willkommen.
Initiativen aus der Friedensbewegung protestieren gleichzeitig in vielen
Orten der Bundesrepublik und auch in Stralsund gegen die kriegerische
Politik der US-Regierung. In Einigkeit mit der Friedensbewegung in den
USA erinnern wir an die fortdauernden Kriege in Irak und Afghanistan, an
Völkerrechtsbruch, Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen. Wir
erinnern daran, dass der militärisch ausgetragene "Krieg gegen den
Terror" genau das Gegenteil des Propagierten bewirkt und weiteren Hass,
Gewalt und Terror erzeugt. Wir suchen aber auch nach tauglichen zivilen,
politischen und wirtschaftlichen Mitteln zur Überwindung von Gewalt und
zur Verhinderung weiterer Kriege. Ein Krieg gegen Iran würde einen
katastrophalen Flächenbrand bewirken.
* Sie treffen den US-Präsidenten, während ein neues Angebot der fünf
Veto-Mächte und der Bundesrepublik an die iranische Regierung im Raum
steht. Für den Verzicht auf Urananreicherung werden "finanzielle
Anreize" und wirtschaftliche Zusammenarbeit, u.a. die Lieferung eines
Leichtwasser-Reaktors in Aussicht gestellt. Die US-Regierung macht ihre
Beteiligung an Verhandlungen davon abhängig, dass Iran bereits vor deren
Beginn auf ihm zustehende Rechte verzichtet und zumindest die
Anreicherung nachprüfbar aussetzt.
Diese Initiative wird unterschiedlich bewertet: denn einerseits wird
mehr als zuvor angeboten, andererseits würde die Eskalation der Krise
beschleunigt, falls Iran die Vorab-Bedingung ablehnen sollte:
internationale Isolation Irans und Durchsetzung von Sanktionsbeschlüssen
könnten folgen.
Die Chance ergreifen
Die letzten Wochen zeigen, wie sehr die US-Regierung nicht zuletzt in
Folge des Irakkrieg-Desasters auf internationale Unterstützung und
gemeinsames Vorgehen angewiesen ist. Darin liegt eine wirkliche Chance
für eine kooperative Lösung des Irankonflikts und für Fortschritte in
der Gesamtregion. Die deutsche Außenpolitik kann und sollte hier eine
wichtige Rolle spielen. Dazu gehört, sich eindeutig jeder gewaltsamen
"Lösung" des Streits mit Iran zu widersetzen und gleichzeitig positive
politische Initiativen zu ergreifen. Aus Friedensforschung und
Friedensbewegung werden umfangreiche Vorschläge dazu gemacht. So müsste
eine diplomatische Lösung legitime Sicherheitsinteressen in der Region,
insbesondere von Iran und Israel, garantieren. Zum Beispiel mit Hilfe
einer ständigen "Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit für den
Nahen und Mittleren Osten", die auch das Ziel verfolgt, dort eine
Atomwaffenfreie Zone unter Beteiligung Israels zu errichten und
gegenseitige Bedrohung durch wirtschaftliche Kooperation zu ersetzen.
Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
mit dem Besuch des US-Präsidenten in Stralsund haben Sie Gelegenheit,
auf einen klaren Kurs für eine politische Lösung zu drängen. Ein
eindeutiger Gewaltverzicht der US-Regierung gegenüber Iran wäre ein
wirklich großer Fortschritt für konstruktive Verhandlungen, eine Chance
für die Völker der Region und ein großer Dienst auch für die
deutsch-amerikanische Freundschaft.
Aufruf der Kooperation für den Frieden
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